irRELEVANT - ein kleiner Sammelplatz für Fotografie, Technik und viele andere Dinge, geführt von einem zielstrebigen Schüler und Gelegenheitsprogrammierer.

Lass uns über das Leben reden.

6. Dezember 2011, 3 Kommentare

Grundsätzlich kaufen sich gewöhnliche Kinder Eisenbahnen um zu spielen, doch ich konnte mit Gewöhnlichkeit und Populismus noch nie was anfangen. In meinem ersten Praktikum bekam ich die Möglichkeit bei einem Eisenbahnunternehmen als harter Kerl zu arbeiten, um mit Schweiß und Brandmarken Frauen zu beeindrucken – spätestens beim Anblick des Gehaltsschecks verpuffte dieser Eindruck wieder unwiderruflich.
Nächstes Jahr versuchte ich mich als Netzwerktechniker – vermutlich das informativste und interessanteste Praktikum dieser Reihe.
Die logische Erweiterung von ‘Schienen zu Kabel zu x’ war natürlich Code. Doch irgendwie wurde aus dem Programmierer-Dasein, eher durfte ich das erste Mal in meinem Leben als überaus schlecht bezahlter Kaffemacher arbeiten (nicht ganz zu unrecht schlecht, denn meine Fachkenntnisse in diesem Bereich halten sich ja auch wirklich in Grenzen).
Enttäuscht von diesem Abstieg (Schweiß und Frauen sind mir noch immer lieber als Kaffee) verließ ich am letzten Tag die Firma und beschloss so ein Praktikum nie wieder zu machen – nicht mal für das doppelte Gehalt. Daumen drehen war noch nie so mein Ding. Geschworen habe ich mir, dass es ein riesiger Fehler war, verlorene und unnütze Wochen – nicht mal Kaffeemachen habe ich gelernt. Scheiß. Firma.

Doch im Leben geht es nicht um falsche oder gute Entscheidungen, das wäre viel zu einfach. Von solchen Rückschlägen profitieren wir vermutlich am meisten. Im nächsten Jahr fasste ich den Mut mich mit selbständiger Programmierarbeit zu beschäftigen. Mäßige Erfolge und etwas kleinere finanzielle Erträge schlossen mein mehrwöchiges Projekt ab – bis ich nach ein paar Wochen Kontakt mit einer Firma aufgenommen habe, die bereit war, mit mir ein Projekt zu realisieren.
Nächstes Jahr das gleiche Spiel, diesmal mit eigener Firma und erstmals gerechter Entlohnung (Über Gerechtigkeit können wir dann ein anderes mal diskutieren).

Aber es sollte hier nicht über mein Leben gehen, sondern um das Leben. Als ich mein berüchtigtes Kaffeepraktikum abgeschlossen hatte, dachte ich, ich hätte meine schlimmste Jobwahl hinter mir. Im Nachhinein betrachtet wäre es mit einem mittelmäßigen Praktikum ganz anders gekommen – ich hätte vermutlich nicht den Mut gefasst, ins kalte Wasser zu springen (dort war ich zu dem Zeitpunkt vermutlich schon).
Auf den ersten Blick wirken Entscheidungen und Auswirkungen oft unglaublich negativ, sie scheinen unwiderruflich schlecht, hindernd oder unnatürlich. Meisten aber, sind es genau die Hindernisse, die uns prägen – sie erlauben uns einen Neuanfang zu wagen, eine neue Richtung zu gehen, alte Strategien zu überdenken – und dann – Bähm!


Sprachkritik

18. Oktober 2011, Kein Kommentar

Meine Sprache und ich – wir sind nicht allzu gute Freunde. Eigentlich bin ich mir nicht wirklich sicher, warum das so ist. Ich habe recht viel gelesen, mache das noch immer, schreibe sehr gerne, ja – man könnte sogar sagen, ich liebe es Sprache zu verwenden. Aber egal ob schriftlich oder mündlich, sehr selten verlassen ganze, logische und gramatikalisch richtige Sätze meinen Mund.

Ich werde sehr oft dafür kritisiert, meistens unter dem Denkmantels des Scherzes. Da gibt es aber ein Problem: Ich glaube nicht an Witze. Jeder Satz, den wir von uns geben, sagt etwas über uns selbst aus. Und wenn die Scherze noch so scherzhaft erzählt wurden, steckt doch meistens ein bisschen Wahrheit dahinter. Es geht sogar noch weiter: Sehr oft, davon bin ich überzeugt, ist Kritik an anderen Personen eine reine Polier des eigenen Egos – damit wohl alles schön und prächtig glänzt. Und ich behaupte das wirklich nicht, weil ich nicht mit Kritik umgehen kann, ich habe sogar Freude daran – aber es gibt einen Unterschied zwischen Kritik und ständiger Suche nach Fehlern und einem möglichst wirkungsvollen Seitenhieb nach dem erfolgreichen Fund. 

Man kann dieses Verhalten vor allem im Internet beobachten: Beleidigungen sind an der Tagesordnung, und Höflichkeit oder Respekt haben grundsätzlich Sperrstunde. Doch am schmerzhaftesten ist es, wenn es die nötig haben, die man als Freunde bezeichnete.


Unsere Unfähigkeit

3. Oktober 2011, 2 Kommentare

Eines vorweg: Wir sind unfähig ein glückliches Leben zu führen, dass sagte mir mal eine gute Freundin, und verdammt, sie hat recht. Es ist doch so: Eigentlich ist alles in Ordnung, der Wohlstand extrem hoch, und aus einer kleinen Lappalie wird ein unlösbares Problem gemacht. Dabei fehlt uns doch oft nur eines: Leichtigkeit und Fröhlichkeit.

Ich habe vor einer Woche begonnen, wieder mehr Leute anzulachen, die mir mehr oder weniger unfreiwillig über den Weg laufen. Es ist hoch interessant, wie verschiedene Personen auf so einen Lacher reagieren. Manche trotzen, manche schauen peinlich weg, und die meisten lachen. Einige reagieren verstört und lachen mich erst beim nächsten Mal an, wo ich dann selbst verstört schaue, da ich die meisten Gesichter am nächsten Tag eh schon wieder zweimal vergessen habe. Ich war fasziniert von der Macht einer einzigen Gestik – ohne Worte, ohne Aufwand – nur ein kurzes Lächeln.

Doch eines Tages auf dem Weg nach Hause began ich so langsam zu begreifen: Nicht nur habe ich meinem Gegenüber ein Lachen geschenkt, sondern mich selbst glücklich gemacht. Und aus dem guten Vorssatz, jemanden anderen den Tag zu erhellen wurde eine egoistische Selbstbereichung, die ich jedem uneingeschränkt empfehlen kann.


So, nun musst du dich entscheiden!

22. September 2011, 1 Kommentar

Ich habe von je auf die Aussagen, dass man doch keine Wahl beim Wählen hat, denn überall komme Übel an die Spitze, lächerlich gefunden. Ich möchte diese Problematik mal mit meinem täglichen Frühstück vergleichen.

Leute, die gezwungen sind, mit mir ein paar Stunden täglich zu verbringen, wissen, ich esse viel und gern. Und so ist das Frühstück meine wichtigste Mahlzeit, es ist die einzige Chance meinen Morgenmuffel zu überwinden und einen angenehmen Tag zu beginnen.

Meistens mache ich Müsli, mit viel Yoghurt, Äpfel und Haferflocken. Schmeckt gut, ist gesund, befriedigt mein Gewissen und gibt aus. Aber das Müsli hat so seine Schattenseiten: Mit meiner Reibe ist es ein Krampf Äpfel zu reiben (meine Fingerkuppen sind mir heilig), es ist sowieso viel zu viel Arbeit und vor 6 ist ernstzunehmende Arbeit auch nur sehr schwer vertretbar.

Alternativ sind da zwei weich gekochte Eier am Morgen. Unkompliziert, schnell, und man kann während der Zubereitung andere Dinge erledigen. Ganz einfach. Aber: Wehe das weich gekochte Ei ist zu weich oder zu hart, außerdem schlagen diese sich mit anderem Essen und nach ein paar Tagen eintöniger Mahlzeit wird es sowieso grausig. Doch lieber nicht.

Dann gibt es noch mein geliebtes Paprika-Schinken-Tomaten-Vollkorn-Brot. Gibt aus und schmeckt herrlich, sofern es den Weg in den Mund findet. Denn der lange Weg in den Mund ist gefährlich und so verabschieden sich immer wieder saftige Tomaten und fliegen auf den nicht geputzten Parkettboden – nicht angenehm. Außerdem müssen die richtigen Cocktailtomaten daheim sein, sonst wird das sowieso nichts.

Ich treffe diese Entscheidung wider aller rationalen Fakten, hungere mich nicht durchs Leben, trotze jeden üblen Konsequenzen und werde es das nächste mal besser machen. Nennt mich einen Helden des Alltags.