Sprachkritik
Meine Sprache und ich – wir sind nicht allzu gute Freunde. Eigentlich bin ich mir nicht wirklich sicher, warum das so ist. Ich habe recht viel gelesen, mache das noch immer, schreibe sehr gerne, ja – man könnte sogar sagen, ich liebe es Sprache zu verwenden. Aber egal ob schriftlich oder mündlich, sehr selten verlassen ganze, logische und gramatikalisch richtige Sätze meinen Mund.
Ich werde sehr oft dafür kritisiert, meistens unter dem Denkmantels des Scherzes. Da gibt es aber ein Problem: Ich glaube nicht an Witze. Jeder Satz, den wir von uns geben, sagt etwas über uns selbst aus. Und wenn die Scherze noch so scherzhaft erzählt wurden, steckt doch meistens ein bisschen Wahrheit dahinter. Es geht sogar noch weiter: Sehr oft, davon bin ich überzeugt, ist Kritik an anderen Personen eine reine Polier des eigenen Egos – damit wohl alles schön und prächtig glänzt. Und ich behaupte das wirklich nicht, weil ich nicht mit Kritik umgehen kann, ich habe sogar Freude daran – aber es gibt einen Unterschied zwischen Kritik und ständiger Suche nach Fehlern und einem möglichst wirkungsvollen Seitenhieb nach dem erfolgreichen Fund.
Man kann dieses Verhalten vor allem im Internet beobachten: Beleidigungen sind an der Tagesordnung, und Höflichkeit oder Respekt haben grundsätzlich Sperrstunde. Doch am schmerzhaftesten ist es, wenn es die nötig haben, die man als Freunde bezeichnete.
Unsere Unfähigkeit
Eines vorweg: Wir sind unfähig ein glückliches Leben zu führen, dass sagte mir mal eine gute Freundin, und verdammt, sie hat recht. Es ist doch so: Eigentlich ist alles in Ordnung, der Wohlstand extrem hoch, und aus einer kleinen Lappalie wird ein unlösbares Problem gemacht. Dabei fehlt uns doch oft nur eines: Leichtigkeit und Fröhlichkeit.
Ich habe vor einer Woche begonnen, wieder mehr Leute anzulachen, die mir mehr oder weniger unfreiwillig über den Weg laufen. Es ist hoch interessant, wie verschiedene Personen auf so einen Lacher reagieren. Manche trotzen, manche schauen peinlich weg, und die meisten lachen. Einige reagieren verstört und lachen mich erst beim nächsten Mal an, wo ich dann selbst verstört schaue, da ich die meisten Gesichter am nächsten Tag eh schon wieder zweimal vergessen habe. Ich war fasziniert von der Macht einer einzigen Gestik – ohne Worte, ohne Aufwand – nur ein kurzes Lächeln.
Doch eines Tages auf dem Weg nach Hause began ich so langsam zu begreifen: Nicht nur habe ich meinem Gegenüber ein Lachen geschenkt, sondern mich selbst glücklich gemacht. Und aus dem guten Vorssatz, jemanden anderen den Tag zu erhellen wurde eine egoistische Selbstbereichung, die ich jedem uneingeschränkt empfehlen kann.
So, nun musst du dich entscheiden!
Ich habe von je auf die Aussagen, dass man doch keine Wahl beim Wählen hat, denn überall komme Übel an die Spitze, lächerlich gefunden. Ich möchte diese Problematik mal mit meinem täglichen Frühstück vergleichen.
Leute, die gezwungen sind, mit mir ein paar Stunden täglich zu verbringen, wissen, ich esse viel und gern. Und so ist das Frühstück meine wichtigste Mahlzeit, es ist die einzige Chance meinen Morgenmuffel zu überwinden und einen angenehmen Tag zu beginnen.
Meistens mache ich Müsli, mit viel Yoghurt, Äpfel und Haferflocken. Schmeckt gut, ist gesund, befriedigt mein Gewissen und gibt aus. Aber das Müsli hat so seine Schattenseiten: Mit meiner Reibe ist es ein Krampf Äpfel zu reiben (meine Fingerkuppen sind mir heilig), es ist sowieso viel zu viel Arbeit und vor 6 ist ernstzunehmende Arbeit auch nur sehr schwer vertretbar.
Alternativ sind da zwei weich gekochte Eier am Morgen. Unkompliziert, schnell, und man kann während der Zubereitung andere Dinge erledigen. Ganz einfach. Aber: Wehe das weich gekochte Ei ist zu weich oder zu hart, außerdem schlagen diese sich mit anderem Essen und nach ein paar Tagen eintöniger Mahlzeit wird es sowieso grausig. Doch lieber nicht.
Dann gibt es noch mein geliebtes Paprika-Schinken-Tomaten-Vollkorn-Brot. Gibt aus und schmeckt herrlich, sofern es den Weg in den Mund findet. Denn der lange Weg in den Mund ist gefährlich und so verabschieden sich immer wieder saftige Tomaten und fliegen auf den nicht geputzten Parkettboden – nicht angenehm. Außerdem müssen die richtigen Cocktailtomaten daheim sein, sonst wird das sowieso nichts.
Ich treffe diese Entscheidung wider aller rationalen Fakten, hungere mich nicht durchs Leben, trotze jeden üblen Konsequenzen und werde es das nächste mal besser machen. Nennt mich einen Helden des Alltags.
Der moderne Dienst für unser Vaterland
Es ist doch so, dass Kinder die Welt in ähnlichen Augen wie ihre Eltern sehen, davon bin ich wirklich nicht ausgeschlossen. Deutlich wird das vor allem bei politischen Präferenzen, wenn Kinder den gleichen Blödsinn der Eltern weiterführen und das Übel wird dann noch schlimmer, wenn diese auch noch mehrere Kinder in die Welt setzen. Aber ich gleite ab.
Ich bin durchaus interessiert an die österreichische Innenpolitik, auch wenn reiche Judenvergleiche (oder so) und Korruptionsfälle durchaus an meiner Akzeptanz kratzen. Mit dieser Einstellung bin ich aber, statistisch gesehen, sehr, sehr einsam. Das allgemeine Desinteresse und die Ignoranz gegenüber Politikern ist schon jetzt extrem hoch und wird noch steigen – einfach nach dem Motto ‘Wie du mir, so ich dir’.
Dabei, und das ist die Tragödie, sehe ich keine Möglichkeit diese Situation zu verbessern.
Im Frühling 2011 habe ich in Istanbul mit Jugendlichen aus ganz Europa über dieses Thema diskutiert, und glaubte Gründe, warum diese politische Gleichgültigkeit in unserer Gesellschaft existiert, zu finden. Wir einigten uns auf Maßnahmen wie mehr politische Bildung, mehr Offenheit und strengere Richtlinien gegen Korruption und schlussendlich Kampagnen für die Wertschätzung von Demokratie. Alles Dinge, die schon teilweise umgesetzt wurden und sie veränderten wenig – so wenig, dass sie von deren eigentlichen Zielgruppe gar nicht wahrgenommen wurden.
Und so länger ich darüber nachdenke, glaube ich, dass man dieses Problem nicht von außen bekämpfen kann. Poltisches Desinteresse sei modern und tragbar, dieser gesellschaftliche Gedanke muss sich verändern. So ist Wählen doch der neue, moderne Dienst für das Vaterland. Und gegen jede Unfähigkeit der Politiker hat jeder einzelne Wähler eine sehr effektive Waffe: Seine Stimme.