irRELEVANT - ein kleiner Sammelplatz für Fotografie, Technik und viele andere Dinge, geführt von einem zielstrebigen Schüler und Gelegenheitsprogrammierer.

Lass uns über das Leben reden.

Grundsätzlich kaufen sich gewöhnliche Kinder Eisenbahnen um zu spielen, doch ich konnte mit Gewöhnlichkeit und Populismus noch nie was anfangen. In meinem ersten Praktikum bekam ich die Möglichkeit bei einem Eisenbahnunternehmen als harter Kerl zu arbeiten, um mit Schweiß und Brandmarken Frauen zu beeindrucken – spätestens beim Anblick des Gehaltsschecks verpuffte dieser Eindruck wieder unwiderruflich.
Nächstes Jahr versuchte ich mich als Netzwerktechniker – vermutlich das informativste und interessanteste Praktikum dieser Reihe.
Die logische Erweiterung von ‘Schienen zu Kabel zu x’ war natürlich Code. Doch irgendwie wurde aus dem Programmierer-Dasein, eher durfte ich das erste Mal in meinem Leben als überaus schlecht bezahlter Kaffemacher arbeiten (nicht ganz zu unrecht schlecht, denn meine Fachkenntnisse in diesem Bereich halten sich ja auch wirklich in Grenzen).
Enttäuscht von diesem Abstieg (Schweiß und Frauen sind mir noch immer lieber als Kaffee) verließ ich am letzten Tag die Firma und beschloss so ein Praktikum nie wieder zu machen – nicht mal für das doppelte Gehalt. Daumen drehen war noch nie so mein Ding. Geschworen habe ich mir, dass es ein riesiger Fehler war, verlorene und unnütze Wochen – nicht mal Kaffeemachen habe ich gelernt. Scheiß. Firma.

Doch im Leben geht es nicht um falsche oder gute Entscheidungen, das wäre viel zu einfach. Von solchen Rückschlägen profitieren wir vermutlich am meisten. Im nächsten Jahr fasste ich den Mut mich mit selbständiger Programmierarbeit zu beschäftigen. Mäßige Erfolge und etwas kleinere finanzielle Erträge schlossen mein mehrwöchiges Projekt ab – bis ich nach ein paar Wochen Kontakt mit einer Firma aufgenommen habe, die bereit war, mit mir ein Projekt zu realisieren.
Nächstes Jahr das gleiche Spiel, diesmal mit eigener Firma und erstmals gerechter Entlohnung (Über Gerechtigkeit können wir dann ein anderes mal diskutieren).

Aber es sollte hier nicht über mein Leben gehen, sondern um das Leben. Als ich mein berüchtigtes Kaffeepraktikum abgeschlossen hatte, dachte ich, ich hätte meine schlimmste Jobwahl hinter mir. Im Nachhinein betrachtet wäre es mit einem mittelmäßigen Praktikum ganz anders gekommen – ich hätte vermutlich nicht den Mut gefasst, ins kalte Wasser zu springen (dort war ich zu dem Zeitpunkt vermutlich schon).
Auf den ersten Blick wirken Entscheidungen und Auswirkungen oft unglaublich negativ, sie scheinen unwiderruflich schlecht, hindernd oder unnatürlich. Meisten aber, sind es genau die Hindernisse, die uns prägen – sie erlauben uns einen Neuanfang zu wagen, eine neue Richtung zu gehen, alte Strategien zu überdenken – und dann – Bähm!

Veröffentlicht am 6. Dezember 2011.

Kommentare:

  1. Floppi am 6. Dezember 2011

    Also ich hätte den Artikel ja einfach “Und dann – Bähm!” genannt ( <3 ), aber is so auch gut :P

    Thumbs up.

  2. Florian am 6. Dezember 2011

    Guter Text. Sehr gut sogar.

  3. Flo am 6. Dezember 2011

    Wow, kann mir so was gar nicht vorstellen, hab bis jetzt immer an guten Ferialjob ghabt. Folglich hab ich auch noch nie über “deine” Alternative nachgedacht… Dein Text is echt top!